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Herbstprogramm 2018

Leitung: Prof. Dr. Rolf Bürki

Universität St. Gallen
Bibliotheksgebäude 09-012

Montag, 18:15 - 19.45 Uhr



Grenzen – Grenzräume – Grenzerfahrungen

1. Oktober
Antarktis - Wie Tiere Grenzräume des Lebens meistern
Prof. Dr. Patricia Holm, Professorin für Ökologie, Universität Basel

Anthropogene persistente organische Schadstoffe gelangen auch in die Polargebiete, die sich auch in Lebewesen anreichern. Antarktische Eisfische zeigen starke Anpassungen an ihren extrem kalten Lebensraum, z.B. fehlt ihnen der rote Blutfarbstoff. Aufgrund ihrer hohen Spezialisierung können sie vermutlich nur begrenzt derartige Schadstoffe abbauen. Unsere Studien zeigen, dass diese Fische in ihren Schadstoffkonzentrationen nicht wesentlich weniger belastet sind als die Fische unserer Breiten. Zudem bauen sie einige Schadstoffe langsamer ab als die bei uns heimischen Forellen.


15. Oktober
Korea - An der letzten Grenze des Kalten Krieges
Divisionär aD Urs Gerber, Schweizer NNSC Delegation in Korea

Im August 1945 wurde Korea nach der Kapitulation Japans analog des europäischen Kriegsschauplatzes in zwei Besatzungszonen geteilt. Diese Teilung war Auslöser des Koreakriegs 1950-1953, deren Kampfhandlungen mit einem militärischen Waffenstillstand beendet worden sind. Diese Demarkationslinie – keine politische Grenze – ist bis heute bestehend und gilt als die letzte Grenze des Kalten Kriegs. Seit geraumer Zeit kommt die Koreanische Halbinsel immer wieder in den Fokus der und ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Verschiedene Experten bezeichnen Korea als den derzeit gefährlichsten Hotspot auf unserem Planeten. Inmitten dieser sehr komplexen Gemengenlage leistet die Schweizer Delegation der Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC) seit 1953 Beiträge zu Sicherheit und Stabilität im Rahmen der Überwachung des Waffenstillstandsabkommens vom 27. Juli 1953. Div aD Urs Gerber war von Februar 2012 bis August 2017 Leiter der Schweizer NNSC Delegation und in Panmunjom direkt an der Konfrontationslinie tätig, somit sehr nahe am effektiven Geschehen.


29. Oktober
Von der rigiden Grenz-Politik zum «Welthandels-Dorf» - ITO, GATT, WTO und die Freihandelsabkommen
Dr. Dr. h.c. Max Schweizer, Präsident SwissDiplomats, Zürich

Seit dem Zweiten Weltkrieg nimmt der grenzüberschreitende, weltweite Handel sprunghaft zu. Man kann heute von einem eigentlichen „Welthandelsdorf“ sprechen, auch wenn Protektionismus wieder an Bedeutung gewinnt. Was sind die institutionellen Rahmenbedingungen bis zur heutigen internationalen Arbeitsteilung mit ihren Wertschöpfungsketten? Die einzelnen Etappen können mit „ITO-Verhandlungen“, dem „Provisorium des GATT-Abkommens“, der „Gründung der Welthandelsorganisation WTO“ und dem „Blühen von Freihandelsabkommen“ umschrieben werden.


12. November
Auf der Suche nach der Grenze des Lebens - Umweltforschung auf dem Mars
Prof. Dr. Nikolaus Kuhn, Professor für Physiogeographie, Universität Basel

Der Mars ist der erdähnlichste Planet des Sonnensystems und zeigt Spuren einer warmen und feuchten Vergangenheit, ist heute aber kalt und lebensfeindlich. Geographinnen und Geographen sind seit dem 19. Jahrhundert an der Herstellung von Karten des Mars beteiligt und befassen sich seit Beginn des Raumfahrtzeitalters besonders mit den Unterschieden und Analogien der Landformen zwischen Erde und Mars. Die Identifikation von Sedimentablagerungen, die Habitat und Archiv für Leben und dessen Spuren sein könnten, ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur aktuellen Erforschung unseres Nachbarplaneten. Die Forschungsgruppe von Nikolaus Kuhn an der Uni Basel hat Verfahren zur Simulation von Erosion, Transport und Sedimentation auf dem Mars entwickelt. Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick zu den Unterschieden zwischen Erde und Mars und zeigt dann auf, warum Geowissenschafterinnen und Geowissenschafter sich an der Erforschung des Mars beteiligen. Zum Abschluss stellt Nikolaus Kuhn die Experimente seiner Forschungsgruppe zur Sedimentation auf dem Mars vor.


26. November
Transnationale Peace Parks – ein Konzept für grenzüberschreitende Kooperationen?
Prof. Dr. Doris Wastl-Walter, Professorin für Humangeographie, Universität Bern

Im südlichen Afrika gibt es eine Reihe von Peace Parks, unterstützt von der Peace Park Foundation, die sich die Einrichtung eines Netzwerks von grenzüberschreitenden Schutzgebieten zum Ziel gesetzt hat (siehe www.peaceparks.org). Dabei möchte man nicht nur gefährdete Arten und Ökosysteme erhalten, sondern auch die lokalen Gemeinden fördern.
Bei einer mehrmonatigen Feldarbeit im HS 2017 in den südafrikanischen Peace Parks wurde der Frage nachgegangen, wieweit diese Ziele erreicht wurden bzw. ob dieses Konzept auch in andere Grenzräume transferierbar ist.


10. Dezember
Migrierte Jugendliche in der Schweiz – Zugehörigkeiten und Bildungserfahrungen
Dr. Sara Landolt, Geographisches Institut, Universität Zürich

Kinder und Jugendliche, die international migrieren, erleben für ihre Lebensphase spezifische Herausforderungen. So sehen sich Jugendliche, die in die Schweiz migrieren beispielsweise oft bereits kurz nach ihrer Migration mit schulischen Übergängen oder dem Ende der obligatorischen Schulzeit konfrontiert. Im Vortrag wird aufgezeigt, wie migrierte Jugendliche in diesem anspruchsvollen und oft mit Unsicherheiten einhergehendem translokalen Kontext Bildungs- und Berufsaspirationen herstellen. Neben der Frage nach dabei wirksam werdenden gesellschaftlichen Positionierungsprozessen wird u.a. auf die Bedeutung von Sprache eingegangen. Die Ergebnisse werden im Kontext gesellschaftlicher Ein- und Ausschlussmechanismen und der Herstellung von Zugehörigkeiten diskutiert.