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Herbstprogramm 2016

Leitung: Prof. Dr. Rolf Bürki

Universität St. Gallen
Bibliotheksgebäude 09-012

Montag, 18:15 - 19.45 Uhr


Jahr der Geographie - Brücken bauen zwischen globalem Denken
und lokalem Handeln

Marianne Huber, Deza Botschaftsrätin in Kabul, Afghanistan       

Internationale Zusammenarbeit in fragilen Kontexten - Das Beispiel Afghanistan

Die Schlagzeilen zu Afghanistan sind dominiert von Meldungen zu Krieg und Gewalt und vermitteln ein Bild von Hoffnungslosigkeit. Gleichzeitig ist Afghanistan der Brennpunkt von enormem internatio­nalen Entwicklungsengagement seit 2002. Was sind die Herausforderungen, aber auch Chancen im Rahmen der neuen Entwicklungsagenda 2030 und ihren nachhaltigen Entwicklungszielen? Wie kann die DEZA als kleine Geber-Organisation mit konkreten Resultaten zu Friedensentwicklung und Aufbau der Institutionen beitragen? Und wie sehen die Perspektiven für die Menschen aus, nach Jahrzehn­ten von Krieg und Rechtlosigkeit?

 

Martin Coy, Universität Innsbruck

Im Griff der Globalisierung: Agrobusiness und Regionalentwicklung in Brasilien

Im Zuge des weltweiten Booms der commodities hat die brasilianische Wirtschaft in den letzten Jahren einen Prozess der „Re-Primarisierung“ durchlaufen. Neben mineralischen spielen in diesem Zusammenhang agrarische Rohstoffe, vor allem Soja, eine zentrale Rolle, wobei sich die Absatz­märkte zunehmend von Europa nach Asien verschieben. Von dieser Entwicklung sind einige Teil­regionen Brasiliens in besonderem Maße betroffen. So haben hochmoderne, ausschließlich welt­marktorientiert wirtschaftende Großfarmen in den letzten den vormals absolut peripheren Bundes­staat Mato Grosso im Übergang des brasilianischen Mittelwesten nach Amazonien zu einer der weltweit wichtigsten Regionen des Sojaanbaus gemacht. Diese „Erfolgsgeschichte“ ist jedoch mit erheblichen sozialökologischen Kosten verbunden. Die Abhängigkeit von den globalen Märkten führt zu besonderen Verwundbarkeiten, zur Verdrängung derjenigen, die mit der globalisierten Landwirt­schaft nicht mithalten können, und zu permanentem Anpassungsdruck. So sind die letzten Jahre beherrscht von Großprojekten zum Ausbau logistischer Infrastrukturen (insbesondere dem Fern­straßenbau und der Anlage von Privathäfen am Amazonas), die die Einbindung der Region in globale Wertschöpfungsketten erleichtern und garantieren sollen. Das dadurch verursachte sozialökologi­sche Konfliktpotenzial ist enorm. Das widersprüchliche Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftli­chem Erfolg, sozialer Verdrängung und ökologischer Degradierung sowie die Frage nach alternativen Entwicklungspfaden stehen im Zentrum des Vortrages.

 

Wolfgang Kinzelbach, ETH Zürich

Wird Wasser knapp? Das Weltwasserproblem

Wenn man bilanziert, wozu die Menschheit jährlich rund 5000 km3 Süsswasser benötigt, so findet man schnell heraus, dass das Trinkwasser ein verschwindend kleiner Anteil davon ist. Der weitaus grösste Teil geht in die Bewässerung und damit in die Nahrungsmittelproduktion. Ein Weltwasser­problem führt also in erster Linie zu einem Welternährungsproblem. Bereits heute ist Wasser in vielen Regionen knapp und die Knappheit nimmt zu, durch Bevölkerungszuwachs, Zunahme des Lebensstandards, die Produktion von Agrotreibstoffen und Klimaveränderung. Ausserdem wird die Versorgung mit ausreichendem Wasser in trockenen Regionen oft nur durch nicht-nachhaltige Praktiken aufrechterhalten, die zu einem Ende kommen müssen. Dazu gehört die Übernutzung von Grundwasservorkommen ebenso wie die Trockenlegung von Feuchtgebieten. Im Prinzip ist genug Süsswasser vorhanden, um auch die Nahrungsbedürfnisse von 10 Milliarden Menschen zu befrie­digen. Ob es gelingt hängt davon ab, wie weit wir Willens sind, unser Konsumverhalten anzupassen und die ungleiche Verteilung von Wasserressourcen auf dem Globus durch Solidarität zu über­brücken.

 

Christiane Fröhlich, Universität Hamburg

Klima, Migration, Konflikt - Das Beispiel Syrien

Sogenannte „Umwelt“- oder „Klimamigration“ wird als wichtiges Verbindungsglied zwischen Klima­effekten und (Gewalt-)Konflikten angesehen. Syrien hat sich hier zu einer Art Vorzeigebeispiel entwickelt: Dort wird einer „Jahrhundertdürre“ zwischen 2006 und 2010 und der von ihr hervor­gerufenen Binnenmigration eine wichtige Rolle für Zeitpunkt und Intensität der syrischen Revolutionsbewegung zugeschrieben. Der Vortrag differenziert dieses Bild und beantwortet die Frage, welche Rolle die innersyrischen „Klimamigrant/innen“ für die anfangs friedlichen Demonstrationen gespielt haben.

 

Peter Messerli, Centre for Development and Environment (CDE), Universität Bern.

Die Agenda 2030 – Kompass für eine gerechte Entwicklung?

Wird mit der Agenda 2030 nachhaltige Entwicklung zum zentralen Konzept unserer Zeit? Vermag die Agenda 2030 als Kompass für eine gerechte Entwicklung dem Konzept Sinn und Bedeutung zu verleihen? Der Vortrag will diesen Fragen nachgehen, indem wir reflektieren was die Sustainable Development Goals (SDGs) leisten können und was nicht. Am Beispiel der Forschung von Land­systemen erläutern wir ausserdem, welche Chancen und Risiken die Agenda 2030 für die Wissen­schaft und insbesondere die Geographie birgt.

 

Andreas Vieli, Universität Zürich

Wenn Gletscher auf den Ozean treffen - Der grönländische Eisschild im Klimawandel

Seit einigen Jahren verliert das grönländische Eisschild unter dem gegenwärtigen Erwärmungstrend mehr und mehr an Eismasse. Neben erhöhter Eisschmelze am Eisschildrand ist dies vor allem auch auf eine stark erhöhte Eisberg-Produktion und das beschleunigte Eisfliessen der Auslassgletscher, welche im Meer enden, zurückzuführen. Am Beispiel des Eqip Sermia Gletschers in West Grönland werden dessen gegenwärtigen schnellen dynamische Änderungen sowie die dazugehörigen Prozesse  im Zusammenhang mit dem Klimawandel erläutert und in Beziehung zu historischen Veränderungen gebracht. Zudem werden lokale wie auch globale Auswirkungen des Rückgangs von solchen ‚kalben­den’ Gletschern diskutiert.